Sprunglinks

  • Praxisbeispiele
  • Schwammstadt-Programm St. Gallen: Mehr Grün und Blau statt Grau

Schwammstadt-Programm St. Gallen: Mehr Grün und Blau statt Grau

In St. Gallen wird Wasser zu einem gestaltenden Teil der Stadt – nicht nur aus der Leitung, sondern unter den Füssen, zwischen Fassaden und in Innenhöfen erlebbar. Wo früher Regen in der Kanalisation verschwand, bleiben heute Liter um Liter in der Stadt und arbeiten: gegen Hitze, für Schatten, für mehr Leben zwischen Stein und Beton. Schwammstadt ist dabei mehr als ein technisches Konzept, sie ist eine Haltung – getragen von einem Energiekonzept, das seit 20 Jahren weitergedacht wird, St. Gallen den Status als Energiestadt Gold eingebracht hat und heute zusätzlich auf Klimathemen ausgerichtet ist. Besonderheit ist der Schwammstadtfonds, aus dem private und unternehmerische Schwammstadtprojekte gefördert werden. 

Energiekonzept 2050

Seit 20 Jahren setzt St. Gallen sein Energiekonzept 2050 Schritt für Schritt um – begonnen bei der Wärmeversorgung, später erweitert um Strom und Mobilität. Mit der Roadmap «Null-Tonnen-CO₂-Gesellschaft» richtete die Stadt dieses Konzept auf die Klimaziele von Paris aus. Die Stadtsanktgaller Stimmberechtigten haben sich klar für Klimaneutralität bis 2050 ausgesprochen und die Kampagne «Gemeinsam wirkt – St. Gallen wird klimaneutral» übersetzt dieses Ziel in den Alltag. Heute umfasst das Energiekonzept 2050 Ziele und Massnahmen in fünf Bereichen: Wärme, Strom, Mobilität, Konsum & Ressourcen sowie Querschnittshandlungsfelder. Stand Mai 2026 waren 88 Massnahmen in Planung oder Umsetzung und der Energiemonitor St. Gallen zeigt in Echtzeit, wo die Stadt steht. 

Zu den Querschnittshandlungsfeldern gehört das Vorhaben Schwammstadt – eine Strategie zur Klimaanpassung mit multipler Wirkung.

Handlungsfelder

Handlungsfelder

Wasser, das kostbare Nass

In der Schwammstadt fliesst Regenwasser seltener direkt in die Kanalisation, sondern wird zurückgehalten, verdunstet oder versickert. Das entlastet bei Starkregenereignissen die öffentlichen Anlagen – und hält zugleich kostbares Wasser in der Stadt. Hier versorgt es Bäume, kühlt Plätze und macht den öffentlichen Raum widerstandsfähiger gegen längere Trockenphasen. Richtig geplant, verbessert diese Begrünung auch die Biodiversität.

Mit kontinuierlicher Kommunikation, Beratung und seit 2022 mit dem jährlich rund 300 000 CHF dotierten Schwammstadtfonds – gespeist aus Abwasser- bzw. Entwässerungsgebühren – motiviert die Entsorgung St. Gallen Private und Unternehmen zu eigenen Projekten. Rund 90 % der Stadtfläche liegen in Privatbesitz, etwa 70 % des Wasserabflusses stammen von dort – die Hebelwirkung ist entsprechend gross. Erfreulicherweise ist die Resonanz hoch: Stand Mai 2026 liegen 133 Fördergesuche vor. Die Hälfte davon wurde bereits umgesetzt, weitere  30 % wurden bewilligt.

Gefördert werden Massnahmen zur Schliessung des Wasserkreislaufes vor Ort. Dazu gehören die Schaffung von offenen Wasserflächen, Regenwasserzisternen mit Nutzung, die Entsiegelung von Flächen, Anlagen zur Versickerung oder Verdunstung von Regenwasser und die Begrünung von Gebäuden. Gefördert wird auch die getrennte Ableitung des Regenwassers vom Schmutzwasser. 

Auch im öffentlichen Raum, auf Strassen und Plätzen, sind Schwammstadtmassnahmen wichtig für eine resiliente und attraktive Stadt. Hierbei arbeitet die Entsorgung St. Gallen eng mit anderen Dienststellen, wie zum Beispiel Tiefbauamt und Stadtgrün, zusammen. Zielkonflikte – etwa genügend Wurzelraum für Bäume versus Platz für Leitungen im Untergrund – werden offen verhandelt und zu tragfähigen Lösungen weiterentwickelt. 

Zusätzlich unterstützt die Mobiliar Genossenschaft im Rahmen ihres Engagements in der Forschung und Prävention von Naturrisiken zwei laufende Projekte der Stadt St. Gallen im öffentlichen Raum sowie die Kommunikation zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

Grafik Wasserkreislauf

Grafik Wasserkreislauf

Geförderte Projekte in St. Gallen

Privatprojekt Hotel Dom: Ein Innenhof wird zum Habitat

Im Innenhof des Hotels Dom im Herzen der Altstadt wurden 90 m2 asphaltierte Hoffläche fast vollständig entsiegelt. Entstanden ist eine begrünte und durchlässige Fläche mit einladendem Aufenthaltscharakter – mit kühlenden Pflanzungen sowie chaussierten Flächen, über die Niederschläge direkt vor Ort versickern können. Bei Starkregen wird das Wasser temporär zurückgehalten und verzögert abgegeben. Ein bestehender Hofsammler schützt zusätzlich vor Überflutung. Kleinstrukturen wie Totholz-, Ast- und Steinhaufen bieten Insekten und Kleintieren neuen Lebensraum.

Innenhof Hotel Dom, Webergasse 22

Innenhof Hotel Dom, Webergasse 22

Projekt Turnhalle Schönau: Vom Asphalt zum Biotop

Bei der Turnhalle Schönau wurde eine kaum genutzte Asphalt- und Rasenfläche in eine lebendige Wasserlandschaft umgestaltet. Zwei neue Feuchtbiotope, ein Feuchtgraben und eine in Wiese verwandelte Rasenfläche bilden ein Mosaik aus Tümpeln, Kiesbereichen, Hecken, Krautsäumen und Kleinstrukturen. Einheimische, eigens aus Saatgut gezogene Stauden schaffen Rückzugsorte für Libellen, andere Insekten und Kleintiere. 

Die Umsetzung erfolgte durch Stadtgrün St.Gallen mit finanziellem Beitrag aus dem Schwammstadtfonds.

Früher Asphalt, heute vielfältiger Grünraum mit Retentionsfunktion und naturnaher Begrünung: Stadtgrün schuf mit dem Projekt einen attraktiven Naherholungsort und ein wertvolles Biotop, das die Artenvielfalt fördert und die ökologische Vernetzung stärkt.

Früher Asphalt, heute vielfältiger Grünraum mit Retentionsfunktion und naturnaher Begrünung: Stadtgrün schuf mit dem Projekt einen attraktiven Naherholungsort und ein wertvolles Biotop, das die Artenvielfalt fördert und die ökologische Vernetzung stärkt.

Allgemeine Informationen zum Projekt

Erfolge

Innenhof Hotel Dom: Nach der Entsiegelung des Innenhofs entstanden 62 m² begrünte Fläche sowie 28 m² chaussierte Aufenthaltsbereiche, was einer Entsiegelung von rund 95 % des gesamten Innenhofs entspricht. Effekt: Verbesserung des Mikroklimas, der Aufenthaltsqualität und des Überflutungsschutzes.

Turnhalle Schönau: Bei der Turnhalle Schönau wurden bis Ende 2025 220 m² Asphalt entsiegelt und in ökologisch wertvolle Flächen umgewandelt. Drei Teiche und ein Feuchtgraben mit zusammen 80 m² werden durch Regen- und Drainagewasser gespeist und dienen als Retentionsbecken für Starkregenereignisse. Über einen Notüberlauf ab 20 cm Wassertiefe wird überschüssiges Wasser in den Burgweiherbach geleitet. Die bisher nassen Rasenflächen werden zu wechselfeuchten Wiesen aufgewertet, die Wasser speichern, langsam versickern lassen und seltene Wasserlebensräume für Libellen und andere Kleintiere bieten.

Mehrfamilienhaus: Bei der Sanierung eines Mehrfamilienhauses wurden Asphaltbeläge im Hof durch sickerfähige Beläge mit Entwässerung in Ruderalflächen ersetzt. Das nun leicht muldenförmig modellierte Gelände lässt Regenwasser versickern. Der frühere 30 m³-Heizöltank dient heute als Retentions- und Brauchwassertank für Dachwasser, das zur Bewässerung der Umgebung und für sechs Waschmaschinen von 24 Wohnungen genutzt wird – rund 35 % des gesammelten Regenwassers fliessen in den Waschbetrieb ein.

Hallenneubau Olma Messen: Im Rahmen des Neubaus der SGKB-Halle entstand eine Retentionsanlage von 350 m³ für Dachwasser. Der betrachtete Perimeter umfasst rund 37 800 m², die Anlage ist auf eine Einzugsfläche von 28 400 m² ausgelegt. Durch die Speicherung und verzögerte Abgabe des Regenwassers sinkt der Abflussbeiwert deutlich. Das entlastet den Gerhaldenbach und die öffentliche Kanalisation spürbar und senkt die Entwässerungsgebühren für die Olma Messen um rund 86 %.

Jahr
2025/2026
Ort
St. Gallen
Hilfsmittel

Schwammstadt | stadt.sg.ch

Stadt St.Gallen – Fördergesuch für Ökologische Aufwertungen, Schwammstadt und Dachbegrünungen 

Leitfäden:

Leitfaden Naturnahe Umgebung

Leitfaden Dachbegrünung

Leitfaden Fassadenbegrünung

Leitfaden Tiere in Haus und Garten

Leitfaden Klima-Garten des BAFU

Massnahmen im Katalog

1.1.3 Anpassung an den Klimawandel

7.4 Kommunale Liegenschaften

7.5 Öffentliche Flächen

7.9 Zusammenarbeit mit Forst-, Landwirtschaft und Tourismus

Gemeinden
nach oben