Die Gemeinde Payerne ist seit 2015 Energiestadt und seit 2025 Energiestadt Gold. Entsprechend ist man sich vor Ort der aktuellen wie künftigen klima‑ und energiepolitischen Herausforderungen bewusst – ebenso der eigenen Vorbildfunktion. In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde eine Reihe strategischer Grundlagen erarbeitet, etwa die räumliche Energieplanung (2019), den kommunalen Energierichtplan (2020) und eine CO₂-Bilanz (2022). Das Ziel ist klar definiert: eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 50 Prozent bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050.
Vor diesem Hintergrund hat die Gemeinde beschlossen, ein neues Fernwärmenetz, in das erneuerbare Energien eingespeist werden, aufzubauen. Die Arbeiten laufen bereits. Errichtet wird das Netz von Payerne Energies SA, an der die Gemeinde Mehrheitsaktionärin ist. Schritt für Schritt sollen künftig Gebäude, die bislang mit fossiler Energie beheizt werden – insbesondere im Stadtzentrum –, an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Die Wärme stammt künftig aus der Abwärme der neuen Kläranlage sowie aus einem Heizwerk, das mit Holzabfällen betrieben wird. Übergangsweise wurde eine Pelletheizung installiert, bis das neue Heizkraftwerk voraussichtlich im Jahr 2027 gebaut und in Betrieb genommen wird.
Parallel dazu hat Payerne eine «Gasstrategie» verabschiedet. Kernpunkt: Der Ausbau des fossilen Gasnetzes sowie neue Anschlüsse werden gestoppt – mit lokalen Ausnahmen, etwa für bestimmte industrielle Nutzungen. Ziele der Strategie sind auch Transparenz zu schaffen und eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren: der Gemeinde, dem Gasversorger und Payerne Energies SA.
«Die Charta der Gasstrategie wurde vom Gemeinderat vorangetrieben. Der Trägerverein Energiestadt hat uns bei der Ausarbeitung massgeblich unterstützt», sagt Nolan Stauffer, Energiebeauftragter der Stadt. Der Rückgang der Gasnutzung soll schrittweise erfolgen und betrifft vor allem die Gebäudeheizung. Bestehende Gasanschlüsse werden nach und nach durch Anschlüsse an das Fernwärmenetz oder andere erneuerbare Energien ersetzt. Ganz verschwinden wird das Gasnetz jedoch nicht: «Da die Infrastruktur bereits existiert, gibt es keinen Grund, sie zurückzubauen», erklärt Stauffer. «Eine künftige Nutzung bleibt denkbar, zum Beispiel für Biogas, wenn es technisch möglich ist.»
Um die Bevölkerung beim Umstieg zu unterstützen, gewährt die Gemeinde Payerne ergänzend zu den Fördermitteln des Kantons Waadt Zuschüsse für den Anschluss an das Fernwärmenetz. Zudem wurde das Angebot «Café Rénove» ins Leben gerufen: ein kostenloses, rund einstündiges Beratungsgespräch für interessierte Eigentümerinnen und Eigentümer mit dem kommunalen Energiebeauftragten. Im Mittelpunkt stehen Fragen zur Gebäudesanierung, zum Einsatz erneuerbarer Energien, zu aktuellen und kommenden gesetzlichen Vorgaben, zu Verpflichtungen und zu möglichen Förderbeiträgen.
Titelfoto: Payerne und die Broye. © JoBersier