26.03.2018

Den Gebäudepark transformieren anstatt abreissen

Das Zertifikat «2000-Watt-Areal» in Transformation ermöglicht einen besseren Umgang mit dem bestehenden Gebäudepark der Schweiz.

Das Bundesamt für Energie erweitert das Zertifikat «2000-Watt-Areal». Mit der neuen Ausprägung In Transformation sollen Städte, Gemeinden und Private ein Instrument erhalten, um bestehende Siedlungsräume energieeffizient und zukunftsorientiert zu entwickeln.

Das seit 2012 bestehende Zertifikat «2000-Watt-Areal» vom Bundesamt für Energie (BFE) ist darauf ausgerichtet, dass energieeffiziente Neubauten auf freiliegenden Grünflächen oder auf Industriebrachen geplant und realisiert werden. Das Zertifikat stellt sicher, dass die Gebäude die durch den «SIA-Effizienzpfad Energie» vorgegebenen Zielwerte für das Jahr 2050 einhalten – von der frühen Planung über die Erstellung bis zur betrieblichen Nutzung. Doch es ist der bestehende Gebäudepark, der in der Schweiz immer noch den grössten Anteil der Gesamtenergie verbraucht. Gemeinden und Grundeigentümer verfügen auch häufig nicht über eine grosse Fläche, um ein neues Areal zu entwickeln. Deshalb hat das BFE gemeinsam mit dem Trägerverein Energiestadt und Vertretern aus den Kantonen das Zertifikat erweitert. Denn: «Ohne signifikante Erhöhung der Sanierungsquote wird es nicht möglich sein, die Energiestrategie 2050 umzusetzen», erklärt Daniel Kellenberger, Projektleiter 2000-Watt-Areale.

Standortgemeinden erhalten aktive Rolle
Mit der Erweiterung In Transformation soll das grosse energetische Potenzial des bestehenden Gebäudeparks erschlossen werden, indem dieser in einem Prozess schrittweise erneuert wird. Im Sinne eines Absenkpfades, also einer Reduktion des Primärenergieverbrauchs und des CO2-Ausstosses über maximal 20 Jahre hinweg, werden die existierenden Gebäude auf die festgelegten Zielwerte transformiert. Die Gemeinden erhalten durch die Erweiterung ein Instrument, mit dem sie bestehende Siedlungsräume zukunftsorientiert entwickeln können. Im Vergleich zu den bisherigen Ausprägungen des Zertifikats, In Entwicklung und Im Betrieb, wird den Standortgemeinden von 2000-Watt-Arealen beim Transformationsprozess eine aktivere Rolle zukommen. Diese erarbeiten zusammen mit der Arealträgerschaft die Eckpunkte für die Entwicklung des Areals. Darunter fällt u.a. das Festlegen der maximal zulässigen Parkplatzzahl, die energetischen Anforderungen die Gebäudeerneuerungen und Ersatzneubauten erfüllen müssen, die Form und Dichte der Arealnutzung sowie die mobilitätsmässige Erschliessung.

Keine Sanierungspflicht bei bestehenden Bauten
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen eine Herausforderung dar. Bei bestehenden Bauten ist es kaum möglich, erhöhte energetische Vorgaben zu machen. Gleichwohl gibt es keine gesetzliche Grundlage, um Sanierungen zu verlangen. Umso entscheidender ist es, dass die Gemeinden und Energieversorgungsunternehmen (EVU) die Arealträgerschaften beim Transformationsprozess begleiten und zum freiwilligen Handeln motivieren. Wann immer möglich, sollte die Vorgabe für eine 2000-Watt-taugliche Entwicklung, z.B. Verdichtung oder Umnutzung, möglichst frühzeitig im Planungsprozess aufgenommen werden. So hat die Stadt Luzern bspw. einen erhöhten Gebäudestandard in der Nutzungsplanung festgelegt, während die Kantone Bern und Zürich über Zonen mit strengeren Energievorgaben verfügen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Anschlusspflicht von Liegenschaften an einen Fernwärmeverbund.

Pilotphase soll Erfahrungswerte liefern
Die Verantwortlichen des Zertifikats haben 2017 eine Pilotphase lanciert, in der das neue Instrument schweizweit anhand von maximal sechs Arealen getestet werden soll. Sämtliche Areale haben zwei wichtige Grundlagen für eine Teilnahme geschaffen, das heisst eine Arealträgerschaft gegründet und eine Machbarkeitsstudie erstellt. In der Studie eruieren 2000-Watt-BeraterInnen zusammen mit der Arealträgerschaft sämtliche relevanten Punkte. Darunter fallen z.B. die Identifizierung der notwendigen Massnahmen während der Transformation oder die Bestimmung der Ist- und Sollwerte für die Ent- und Versorgung sowie die Mobilität; aber auch qualitative Ziele wie der städtebauliche Planungsprozess oder die Kommunikationsstrategie. Mit der Pilotphase möchte das BFE einerseits die erarbeiteten Grundlagen anhand von Erfahrungswerten testen und gegebenenfalls vor der regulären Anwendung optimieren. Andererseits sollen Anfang 2019 nach einer erfolgreichen Testphase die ersten Zertifizierungsanträge der Pilotareale eingehen. Für einen Erfolg ist das koordinierte Vorgehen sämtlicher involvierter Akteure entscheidend.